In der aktuellen ZEIT, Nr. 05. 26.01.2012, erläutert der Historiker Mike Schmeitzner neue Erkenntnisse zur sächsischen NS-Elite und ihre Volkstümelei:
Dresden war einerseits die Befehlsstelle des sächsischen Nationalsozialismus, in der 1935 mehr als 20.000 politische Funktionäre walteten. Andererseits war es eine Kunst- und Kulturstadt. Deren Repräsentanten allerdings haben oft dem Regime und seiner Ideologie zugearbeitet. So fand 1934 an der Elbe die erste Reichstheaterfestwoche statt. Und Hans Posse, Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, war Sonderbeauftragter für Hitlers geplantes Kunstmuseum in Linz, für das in ganz Europa Bilder zusammengeraubt wurden, erklärt der Historiker Mike Schmeitzner. Und verweist darauf, dass es zunächst gar nicht so aussah. Denn in den sächischen großstädten gab es ein großes “rotes” Arbeiterpotenzial, das es den Nazis zunächst schwermachte. Doch um 1933 wurde die rote Hochburg Dresden rasch eine braune:
ZEIT: Ist dies alles nicht ein Querschnitt, der auf viele deutsche Großstädte damals zutraf?
Schmeitzner: Mag sein, aber in diesem Fall sticht eine Ambivalenz hervor: Dresden war einerseits die Befehlsstelle des sächsischen Nationalsozialismus, in der 1935 mehr als 20.000 politische Funktionäre walteten. Andererseits war es eine Kunst- und Kulturstadt. Deren Repräsentanten allerdings haben oft dem Regime und seiner Ideologie zugearbeitet. So fand 1934 an der Elbe die erste Reichstheaterfestwoche statt. Und Hans Posse, Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, war Sonderbeauftragter für Hitlers geplantes Kunstmuseum in Linz, für das in ganz Europa Bilder zusammengeraubt wurden.
Schmeitzner räumt noch mal auf mit dem Image, das sich Dresden gern gibt, und das die braunen Horden Im Februar gern nutzen: Dresden sei “unschuldige Kunst und Barockstadt” gewesen.
ZEIT: Die späte Aufarbeitung sei wohl auch »typisch Dresden«, bemerkt ein Autor Ihres Bandes.
Schmeitzner: Jahrzehntelang wurde gern kolportiert, man sei vor 1945 die »unschuldige Kunst- und Kulturstadt« gewesen. Das war vielleicht allzu menschlich nach dem Schock der Zerstörung. Doch möge keiner die Vorgeschichte dieser Gauhauptstadt ausblenden. Dazu wollten wir einen Beitrag leisten. Mit einer Studie, wie es sie meines Wissens noch für keine andere ostdeutsche Großstadt gibt.
Zum Thema:
Braune Karrieren: Dresdner Täter und Akteure im Nationalsozialismus von Christine Pieper, Mike Schmeitzner und Gerhard Naser (Broschiert – 27. Januar 2012) EUR 19,80
Der Fall Mutschmann von Mike Schmeitzner (Broschiert – September 2011)EUR 14,80
Der erste Leserkommentar bei der ZEIT fordert die sächsiche Landeszentrale für Politische Bildung auf, die Bücher einfach und günstig zugänglich zu machen – ein Anliegen, dem ich mich nur anschließen kann.
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