In einem umfangreichen Dossier listet das NEUE DEUTSCHLAND die Ereignisse um Bartsch und Lafontaine auf, die am Montag auf der Fraktionsklausur kulminierten. Die Zeitungen berichten umfassend. In einem Text “Sieben Fragen zur Streitkultur” ist die letzte Frage die interessanteste:
FRAGE: Warum schweigt Lafontaine zu einer Auseinandersetzung, die die LINKE in eine Zerreißprobe zu führen droht, und lässt sich nur von anderen interpretieren, zu wem sein Vertrauensverhältnis intakt oder nicht intakt ist? Ist auch der Wunsch aus seiner Partei unzumutbar, dass er ihr eine kurze klärende Stellungnahme zum aktuellen Streit zukommen ließe?
Leider wird sie (noch) nicht beantwortet.
Zu den Debatten um den Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Dietmar Bartsch erklärten die Landesvorsitzenden der LINKEN Steffen Bockhahn (M-V), Knut Korschewsky (Thüringen), Matthias Höhn (Sachsen-Anhalt), Rico Gebhardt (Sachsen), Klaus Lederer (Berlin) und Thomas Nord (Brandenburg) bereits im Dezember unter der Überschrift “Die Personaldebatte beenden und wieder zur Sacharbeit zurückkehren”, einen Aufruf für Bartsch:
Das erfolgreichste Jahr in der Geschichte unserer Partei liegt hinter uns. Wir haben bei Kommunal-, Landtags-, Europa- und Bundestagswahlen viele Erfolg errungen. Das ist unser aller gemeinsamer Verdienst. Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Dietmar Bartsch hat an diesen Erfolgen einen erheblichen Anteil.
Wir kennen und schätzen ihn seit vielen Jahren als Genossen der engagiert nach Innen und Außen erfolgreich für den Aufbau der Partei in den neuen und in den alten Ländern streitet. Als Bundesgeschäftsführer ist und bleibt Dietmar Bartsch für viele Mitglieder unserer Partei eine wichtige Integrationsfigur.Wir appellieren daher an die Mitglieder und vor allem Funktionsträgerinnen und -träger unserer Partei, die von einigen seit mehreren Wochen geführte Personaldebatte, in der immer stärker die Grenzen des Anstands überschritten werden, nicht weiter anzuheizen und sich wieder auf die für DIE LINKE notwendige Sacharbeit zu konzentrieren.
Weitere Stellungnahmen, unter anderem von der sächsischen Landesgruppe in der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, von den ostdeutschen Landesvorsitzenden und den stellvertretenden Landesvorsitzenden aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Albrecht Müller, der ehemalige Verantwortliche für Wahlen im SPD-Bundesvorstand schrieb dazu auf seinen Nachdenkseiten:
Die damaligen Bundesgeschäftsführer der SPD, Wischnewski und Börner, hätten nie und nimmer bei Journalisten irgendetwas fallen lassen, was ihren Vorsitzenden schadet. Sie hätten das als unverantwortlich und illoyal betrachtet. So gesehen benutzte Gregor Gysi gestern das richtige Wort. Der Bundesgeschäftsführer der Linken sieht seine Rolle offensichtlich anders. Das mag man als sein gutes Recht betrachten. Ich glaube allerdings, dass er seine Rolle falsch sieht.
Der Freitag schreibt in einem Porträt: Gregor Gysi hat zu Beginn der Woche die nicht zu bestreitenden Verdienste des Vaters zweier Kinder aufgezählt, das klang bereits wie ein politischer Nachruf. Doch dass der „Machtmensch“ Bartsch in einem „Machtkampf“ verliert, ist weniger überraschend als das Niveau mancher Vorwürfe gegen ihn. Die Invektive, es fehle ihm an charakterlicher Eignung, gehört dazu. Bartsch selbst verweist auf die Kritik an seiner angeblichen Illoyalität – dies sei „so ziemlich das Schlimmste“, was man dem Bundesgeschäftsführer einer Partei vorhalten könne. Weiter äußern wollte er sich nicht: „Die Partei muss zur Ruhe kommen.“ Bleibt abzuwarten, ob ihr das tatsächlich gelingt.
Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Halina Wawzyniak, hat Dietmar Bartsch aufgerufen, auf dem Bundesparteitag im Mai in Rostock erneut für dieses Amt zu kandidieren. Das wäre ein “gutes Signal” für den Zusammenhalt der Partei, sagte Wawzyniak dem “Tagesspiegel” (Donnerstagausgabe). Die von Fraktionschef Gregor Gysi öffentlich gemachten Vorwürfe gegen Bartsch hätten sich als “nicht tragfähig herausgestellt”, sagte sie weiter.







Januar 13th, 2010 at 21:12
Keiner bestreitet die Verdienste von Dietmar und das Frau Wawzyniak Dietmar den Rücken stärkt ist wohl eher Strategie. Aber auch wir sollten uns von den bürgerlichen Medien nicht verrückt machen lassen, denn noch muss gesagt werden, dass die Landesvorsitzenden im Osten nicht für ihre gesamten Landesverbändsmitglieder sprechen können. Auch hier gibt es noch viel zu tun beim Zusammenwachsen von WASG und PDS. Sollten sich die Vorwürfe gegen Dietmar dagegen als richtig bewesen, hat er sich 1. viel zu weit aus dem Fenster gelehnt (da hilft auch kein Hinweis auf Loyalität) und 2. warum treffen diese Unterstellungen mit Sarah und Oscar, die Linken in der Linken kurz vor unserer wichtigen Programmdebatte?! In dem Punkt wünscht sich das ein oder andere “Neumitglied” im Osten auch mehr Feingefühl.
Januar 13th, 2010 at 23:25
Bin seit 30 Jahren in der SPD. Leute wie Bartsch könnten mich für die Linke gewinnen. In TV-Auftritten ruhig, himurvoll ohne Gysische Clownerien, sachlich (damit glaubwürdiger als Lafontaine)! Ein Mann, den man sich in Koalitionen vorstellen kann. Und nun soll gesägt werden. Hat die Linke soviele, vergleichbare Profis zu bieten? Sind Menschen wie die kluge und atraktive Wagenknecht tatsächlich in ihrer sturen, besser”wessi”chen, um nicht zu sagen sauertöpfischen Art wirklich eine Alternativer. Macht Die Linke nicht kaputt – auch für die SPD nicht.
Januar 14th, 2010 at 19:26
Deutschland verblödet und Beiträge wie oben tragen erheblich dazu bei.
Es ist doch völlig irrelevant, wie sich Menschen in Tolkshows geben, es ist auch irrelevant, was sie dort sagen, es sollte doch für jeden halbwegs intelligenten Menschen klar sein, dass Politiker aus reinem Selbsterhaltungstrieb gar nicht ehrlich sein können, selbst wenn sie es gerne sein wollten. Spätestens dann, wenn sie zugeben müßten, dass die Kindergärtnerinnen keine Gehaltserhöhungen bekommen können, weil die Verschuldung an die Superreichen so groß geworden ist, dass die Zahlung der Zinsen alles auffrißt, spätestens dann werden sie von uns als Dummköpfe abgestempelt, die in der Politik nichts zu sagen haben. Und wer riskiert schon solch einen Abgang. Also versuchen sie uns einzulullen, und wir lassen es doch so gerne mit uns geschehen.
Erst dann, wenn die Zahl der Nichtwähler so groß geworden ist, dass nur noch die Politiker wählen gehen, erst dann haben wir die wahre Demokratie.
Januar 22nd, 2010 at 19:47
wenn ich in den sog. bürgerlichen medien erfahre,dass es in der LINKSpartei einen machtkampf gäbe,der bis zum zerreissen stattfindet,dann muss ich annehmen,dass der wunsch der vater dieser prophetie ist. eine partei besteht (marx sei dank ) nicht nur aus alphatieren an der spitze,die sich, eingedenk soziologischer grundkenntnisse ,nicht nur lieben sondern gelegentlich auch balzen, worum auch immer. gut,dass man sich gegenseitig wieder wunden leckt…für eine erneuerung der gesellschaft möchte ich schon links sein,aber manchmal frage ich mich, wie stark die sozialdemokratisierung meiner partei schon fortgeschritten ist, um ernsthaft veränderungen herbeizuführen, die nicht nur dienst am krankenbett dieser überreifen gesellschaft darstellen.