Chiphersteller Qimonda meldet Insolvenz an meldet der SPIEGEL und sieht 13.000 Arbeitsplätze in Gefahr.
Der krisengeschüttelte Speicherchiphersteller Qimonda hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt, nachdem Sachsen seine Hilfskredite nicht erhöhen wollte. Den Betrieb will der Konzern aber vorerst aufrechterhalten.
Wirklich überraschend kommt das nicht. Die Meldungen der letzten Tage deutet darauf hin. Und man muss den Münchnern den Vorwurf machen, dass sie auch eine sehr merkwürdige Informationspolitik hatten. Der längst überfällige Geschäftsbericht (das Geschäftsjahr endet am 30. September) lag doch aber der Staatskanzlei hoffentlich vor.
Und was heißt jetzt: “Den Betrieb will der Konzern aber vorerst aufrechterhalten.”?
In einer Landtagsdebatte zu Qimonda am 10. Dezember, die von der Linksfraktion beantragt worden war, fordert diese ein “klares Bekenntnis zum Erhalt des Chip-Herstellers in Dresden”
Werde das Unternehmen nicht gerettet, sei neben Arbeitslosigkeit auch die Abwanderung hochqualifizierter Ingenieure zu befürchten, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Karl-Friedrich Zais. Mit Qimonda stehe ein «Herzstück» des Silicon Saxony und gleichzeitig der größte private Arbeitgeber in Dresden auf dem Spiel.
berichtet der Internetdienst financial.de
Auch die Industriegewerkschaft Metall appellierte an die Landesregierung, ihre Verantwortung für den angeschlagenen Chiphersteller wahrzunehmen. Gewerkschaftsfunktionär Wigand Cramer sagte dem Sender MDR Info, dass Hilfe nur noch von außen kommen könne. Einwände, wonach der Freistaat nicht mit Steuergeldern helfen könne, wies er zurück. Immerhin seien 40 Prozent des Werkes vom Land finanziert worden.
Bei den aktuellen “Geheimverhandlungen” geht es um Hilfen in Höhe von 300 Mio. Euro.
Qimonda könnte das Geld in Form von Krediten, Bürgschaften oder einer Beteiligung von den Sachsen erhalten. Hilfen durch den Freistaat rufen allerdings die EU-Wettbewerbshüter auf den Plan: “Bisher ist noch nichts angemeldet. Jede Hilfe dieser Höhe müsste vorab von der Kommission genehmigt werden”, sagte ein Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Weniger problematisch als Kredite oder Bürgschaften wäre eine direkte Beteiligung: Sachsen hielt von 2000 bis 2004 schon einmal Anteile am Dresdner Infineon-Werk.
Die LINKE drängt auf einen Strategie zur Rettung des „Leuchtturms“ Quimonda, teilt Andre Hahn, Fraktionschef der LINKEN im Sächsischen LAndtag in einer Mitteilung mit. Nach einem Treffen der Linksfraktion mit Betriebsräten von Qimonda und Wigand Cramer von der Bezirksleitung der IG Metall will dIE LINKE die Rettung der Dresdner Chipindustrie zum Thema im Landtag machen.
Die Staatsregierung wird am Donnerstag Farbe bekennen müssen, wie sie ihren Leuchtturm Halbleiterindustrie in schwerer Krise zu unterstützen beabsichtigt: AMD und Infineon wurden mit milliardenschwerer Hilfe durch die Steuerzahler nach Dresden geholt – 37 Prozent des Wertes der Produktionsstätten sind investierte Steuergelder.
Die LINKE fordert die Staatsregierung auf, alles zu tun, damit diese öffentlichen Mittel nicht verloren sind.
Es reicht nicht, alle paar Tage potenzielle Investoren ins Spiel zu bringen, die dann ebenso öffentlich absagen. So werden politische Aktivitäten vorgetäuscht, ohne dass eine wirkliche Strategie erkennbar ist. Ungeachtet der kritikwürdigen einseitigen Leuchtturm-Fixierung der sächsischen Wirtschaftspolitik wäre es fatal für Sachsen, wenn nun einer dieser wenigen Leuchttürme von der Landkarte verschwinden würde.
Hahn fordert eine Prüfung aller Rettungsoption einschließlich einer Staatsbeteiligung. Aber eine Beteiligung ohne wirkliche Mitsprache ist nach seiner Auffassung angesichts des offenkundigen Versagen des Managements unverantwortlich. Dennoch,
Statt sich mit Managern in einen „Interview-Krieg“ zu verstricken, sollten Ministerpräsident und Wirtschaftsminister lieber ein klares Konzept entwickeln und dem Parlament schnellstmöglich zur Entscheidung vorlegen.
Im Handelsblatt beschreibt Joachim Hofer den Subventionswettlauf um Unternehmen der Chipbranche.
Ein paar Jahre ist es schon her, da hat der damalige Intel-Chef Craig Barrett eine neue Chipfabrik in Irland eröffnet.
Brav bedankte sich der irische Ministerpräsident Bertie Ahern für die Milliardeninvestition und forderte den Manager auf, doch bald wieder auf der Insel zu bauen. Die Antwort des Managers aus Amerika fiel deutlich aus: Solange Steuern, Löhne und Lebenshaltungskosten in Irland niedriger seien als anderswo in Europa, komme der Halbleiterkonzern gerne, beschied Barrett dem verdutzten Politiker.
Auch Sachsen hat einige Milliarden in den Aufbau von Silicon Saxony investiert. Was soll man nun machen? AMD ist gerade mit Hilfe arabiscxhen Geldes gerettet worden, Oqimonda droht Anfang nächsten Jahres die Insolvenz. Betriebsergebnisse werden schon gar nicht mehr veröffentlicht, angeblich um bereitstehende Investoren nicht zu vergraulen, Branchen insider sprechen davon, dass es nichts mehr zu veröffentlichen gäbe.
Was also nun tun?
Gerade macht sich Sachsen daran, den hochdefizitären Halbleiterproduzenten Qimonda vor dem Untergang zu retten. Aus sächsischer Perspektive ist das durchaus vernünftig, denn in der Landeshauptstadt Dresden betreibt der Konzern ein großes Werk. Selbst aus deutscher Sicht lässt sich so ein Schritt begründen. Ginge Qimonda pleite, würde viel Know-how in der Mikroelektronik verlorengehen. Denn auch Zulieferer wären betroffen.
Allerdings ist Sachsen da nicht allein. Weltweit werden große Summen investiert.
“Dies ist einer der Gründe, warum es viel zu viele Chipfabriken gibt, die für eine riesige Überkapazität sorgen. Die Folge sind tiefrote Zahlen zahlreicher Anbieter insbesondere auf dem Feld der Speicherchips, auf dem Qimonda tätig ist. In diesem Bereich haben staatliche Interventionen geradezu Tradition.”
Die weit verbreiteten Subventionen führen jedoch dazu, dass die Anbieter stets dort investieren, wo es gerade am meisten zu holen gibt. So baut AMD die nächste Fabrik nicht in Dresden, wo die beiden anderen Werke des Konzerns stehen, sondern in den USA. Weil der Transport der kleinen Bausteine wenig kostet, ist es im Grunde egal, wo die Produktionsstätten sind. Dies erhöht die Gefahr, dass Firmen trotz hoher Zuschüsse nach einigen Jahren wieder abziehen.
Nachvollziehbar scheint dennoch die Auffassung,
statt in Beton und Maschinen in die Ausbildung zu investieren. Wenn der Staat Forschungseinrichtungen und Universitäten fördert und diese sich gut entwickeln, dann zieht das die Konzerne an. Neue Firmen entstehen, es werden Arbeitsplätze geschaffen. In diesem Fall gilt dasselbe wie bei den Subventionen: Die weltweit agierenden Unternehmen können es sich einfach nicht leisten, darauf zu verzichten. Den Steuerzahler kommt es aber wesentlich billiger.
In der schweren Wirtschaftskrise hat sich nach Opel mit der Infineon-Tochter Qimonda ein prominentes Unternehmen der Computerbranche an die Bundesregierung gewandt.Von Bankrott über Verkauf bis zu massiver staatlicher Unterstützung sei alles möglich, hatte der sächsische Finanzminister Georg Unland (parteilos) vergangene Woche angekündigt. Zwei unterschiedliche Expertenteams prüften derzeit weltweit, welche technologische Basis es bei Qimonda gebe und ob das Unternehmen perspektivisch wettbewerbsfähig sei. Dazu würden wirtschaftliche und kaufmännische Aspekte untersucht.
Durchaus lesenswert sind die Kommentar bei Heise…
Jetzt kommen sie angeschissen, die großen Globalisatoren…
Steve Borilla (595 Beiträge seit 10.01.00)
…es ist keine zwei Jahre her, da wurde bei Interfenesium noch das
ganz hohe Loblied auf die Segnungen des Neoliberalismus gesungen:
“Jedes Jahr 10% Low-Performer ‘rausschmeißen.”
“Asien ist die Zukunft, da müssen wir deutsche Arbeitsplätze streichen.”
“Wir verkaufen 90% der Produkte im Ausland, da dürfen wir auch nur 10% der Arbeitsplätze in Deutschland halten.”
Etc. pp. blahblah.
…und nun soll ihnen der deutsche Steuerzahler aus der Patsche helfen?
Wohlmöglich die Leute, die in den letzten Jahren in dem Drecksladen ‘rausgeworfen wurden?
Nene, Jungs, geht mal schön alleine pleite, mein Geld transferier ich lieber selbst nach Asien. Und dabei achte ich darauf, daß für Euch dabei kein Pfennig hängenbleibt.
Ich bin derzeit auch etwas klamm. Phrasenmäher (153 Beiträge seit 08.03.07) Kann mir die Bundesregierung mal eben 100 Mio borgen? (Zins- und
tilgungsfrei für, sagen wir, 80 Jahre?)
Qimonda-Krise: Infineon-Spitze wendet si… | News-Foren
Ein ausführlicher Bericht findet sioch unter anderem im Handelsblatt oder bei rivva.
Technorati-Tags: Quimonda, Finanzkrise