Die Waldschlößchenbrücke war zuerst als gemischte Straßenbahn-, Fußgänger-, Radfahrer- und Autobrücke zweistreifig geplant, schreibt der Autor Udo Becker (51) Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrsökologie an der Technischen Universität Dresden in der aktuellen Ausgabe der “Dresdener Hefte”.
Für Fußgänger dagegen ist die Brücke uninteressant. Denn
nach vielen Umplanungen wurde sie schließlich als vierstreifige Autobrücke ohne Straßenbahn genehmigt. Sie überquert die Elbniederung an der breitesten Stelle, ist also für nahräumliche Mobilität und Fußgänger viel zu weit und uninteressant. Radfahrer können die Brücke zwar auch überqueren, aber die erwartete Nachfrage ist minimal.Dagegen ist die Brücke für diejenigen Autofahrer gut geeignet, die weite Strecken (etwa über die Stauffenbergallee zur Autobahn) fahren wollen. Die neue Brücke ist für 40,000 bis 45,000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt.
Die Kosten der Brücke und des Verkehrszuges werden auf etwa 170 Millionen Euro geschätzt. Wenn nun – angenommen – der Benzinpreis auf fünf Euro je Liter steigt, für wen ist die Waldschlößchenbrücke dann noch eine Hilfe? Oder hätte man die 170.000.000 Euro in Dresden für etwas anderes vielleicht sinnvoller verwenden können? Für etwas, das allen Dresdnern und nicht nur manchen Autofahrern hilft? Vielleicht für etwas, mit dem man die künftigen Kraftstoffpreise umgehen kann? Vielleicht hätten die Dresdner Verkehrsbetriebe mit 170 Millionen Euro das Straßenbahn- und Busnetz ausbauen können? Vielleicht hätte man mit 170 Millionen Euro (die alle aus unseren Steuergeldern stammen!) auch mehrere Fußgängerbrücken bauen können? Oder man hätte kleine Stadtteil-Einkaufszentren fördern können?
Überlegen wir: Wenn der Liter Kraftstoff fünf Euro kostet, welche Maßnahme hätten wir uns ganz privat gewünscht? Was hätte Ihnen, lieber Leser, am meisten geholfen, um weiterhin mobil zu sein? Eben genau diese Maßnahmen wären zukunftsfähig gewesen. Die Waldschlößchenbrücke ist es – leider – nicht. Schade.
Nachhaltige Verkehrsentwicklung ist also im eigenen Interesse der Dresdner Einwohner.Dazu zählen aber vor allem Straßenbahnen und Busse.
In der
Sächsische Zeitung ist eine gekürzte Fassung des Textes abgedruckt.









