Jul
03

Die Waldschlößchenbrücke war zuerst als gemischte Straßenbahn-, Fußgänger-, Radfahrer- und Autobrücke zweistreifig geplant, schreibt der Autor Udo Becker (51) Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrsökologie an der Technischen Universität Dresden in der aktuellen Ausgabe der “Dresdener Hefte”.

Für Fußgänger dagegen ist die Brücke uninteressant. Denn

nach vielen Umplanungen wurde sie schließlich als vierstreifige Autobrücke ohne Straßenbahn genehmigt. Sie überquert die Elbniederung an der breitesten Stelle, ist also für nahräumliche Mobilität und Fußgänger viel zu weit und uninteressant. Radfahrer können die Brücke zwar auch überqueren, aber die erwartete Nachfrage ist minimal.

Dagegen ist die Brücke für diejenigen Autofahrer gut geeignet, die weite Strecken (etwa über die Stauffenbergallee zur Autobahn) fahren wollen. Die neue Brücke ist für 40,000 bis 45,000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt.

Die Kosten der Brücke und des Verkehrszuges werden auf etwa 170 Millionen Euro geschätzt. Wenn nun – angenommen – der Benzinpreis auf fünf Euro je Liter steigt, für wen ist die Waldschlößchenbrücke dann noch eine Hilfe? Oder hätte man die 170.000.000 Euro in Dresden für etwas anderes vielleicht sinnvoller verwenden können? Für etwas, das allen Dresdnern und nicht nur manchen Autofahrern hilft? Vielleicht für etwas, mit dem man die künftigen Kraftstoffpreise umgehen kann? Vielleicht hätten die Dresdner Verkehrsbetriebe mit 170 Millionen Euro das Straßenbahn- und Busnetz ausbauen können? Vielleicht hätte man mit 170 Millionen Euro (die alle aus unseren Steuergeldern stammen!) auch mehrere Fußgängerbrücken bauen können? Oder man hätte kleine Stadtteil-Einkaufszentren fördern können?

Überlegen wir: Wenn der Liter Kraftstoff fünf Euro kostet, welche Maßnahme hätten wir uns ganz privat gewünscht? Was hätte Ihnen, lieber Leser, am meisten geholfen, um weiterhin mobil zu sein? Eben genau diese Maßnahmen wären zukunftsfähig gewesen. Die Waldschlößchenbrücke ist es – leider – nicht. Schade.

Nachhaltige Verkehrsentwicklung ist also im eigenen Interesse der Dresdner Einwohner.Dazu zählen aber vor allem Straßenbahnen und Busse.
In der
Sächsische Zeitung ist eine gekürzte Fassung des Textes abgedruckt.

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Jul
02

Im kanadischen Quebec tagt ab heute das Welterbe-Komitee der UNESCO. Wenn es schlecht für Sachsen und ganz Deutschland läuft, wird dem Elbtal jetzt wegen der Waldschlößchenbrücke der Titel des Weltkulturerbes aberkannt. Dresden würde in einer Reihe mit dem Wüstenstaat Oman stehen. Grund sind ein Brückenbau und Sturheit in Politik und Behörden.

Die harte Haltung des Regierungspräsidiums ist bezeichnend für den Umgang von Behörden, aber auch der CDU-geführten Landesregierung mit der UNESCO-Kritik und der Sorge großer Teile der Bürgerschaft um den Welterbetitel. Zunächst hatte Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt diesen »entbehrlich« genannt; inzwischen erklären maßgebliche CDU-Politiker, darunter die neue Oberbürgermeisterin Helma Orosz, die UNESCO könne den Brückenbau ja abwarten und dann entscheiden. Derweil beschimpft Justizminister Geert Mackenroth die Kritiker, die sich trotz anhaltender Zweifel an der Notwendigkeit einer Flussquerung im Sinne eines Kompromisses zumeist zum Tunnel bekennen, als »Brücken-Dschihadisten«.

schreibt Hendrik Lasch im Neuen Deutschland. Eine Aberkennung des Weltkulturerbetitels für das Dresdner Elbtal wäre für Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) “kein Weltuntergang für Dresden”. Die Touristen kämen wegen der historischen Gebäude und Kunststätten, daran ändere die geplante Brücke nichts. “Die Stadt ist von sich aus Welterbe”, sagte Orosz. Durch die “leidlichen Diskussionen” sei allerdings ein Imageschaden entstanden. Eine gewisse Selbstverliebheit und -überschätzung ist den Dresdnern ja eigen, aber sowas?….Sicher hat der Einbruch bei den Touristenzahlen im vergangenen Jahr nichts mit einem drohenden Weltkulturerbetitel-Verlust zu tun, aber etwas mehr Feingefühl wäre doch zu wünschen. Und ich bin mir ganz sicher, ein japanischer Tourist auf Europa-Tour richtet sich nach gewissen Kriterien – das Welterbe gehört dazu.

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